Garten_Kultur

 

 

Garten_Kultur

 

Wolfgang Poth  _  Mensch sein heißt Gärtner sein

Hans G. Bauer  _  Alles (mehr als) Kompost

Renate Kletzka  _  Ein Sommer im Garten

Arnulf Greimel  _  Organisationsentwicklung mit Gartenkultur

Jupp Bergmann / Waltraud Latussek  / Hans Herzer _  Fischbacher Brunnen

Hans Herzer / Simon Rahause _ … im Garten des Himmlischen Friedens

 

 

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Wolfgang Poth  _  Mensch sein heißt Gärtner sein

 

 

Mensch sein heißt Gärtner sein.

All meine Schmerzen kann mein Gartenspaten heilen.

Pass dich dem Schritt der Natur an; ihr Geheimnis heißt Geduld.

Blumen sind das Lächeln der Erde.

 

– Ralph Waldo Emerson –

 

 

Herrgott, mach, dass es jeden Tag von Mitternacht bis drei Uhr morgens regnet, aber versteh mich recht, mäßig und warm, damit das Wasser in die Erde einsickern kann, lass es aber nicht auf Nelken und Lavendel, Steinkraut, Heideröschen und andere Blümlein regnen, die dir, o Herr, in deiner unendlichen Weisheit als trockenliebende Pflanzen bekannt sind – wenn du willst, merke ich es auf einem Blatt Papier vor; die Sonne möchte doch scheinen, aber nicht überall hin (weder auf den Spierstrauch und Enzian noch auf die Funckia oder das Rhododendron) und nicht übermäßig stark; dann möchte es viel Tau und wenig Sturm geben, genügend Regenwürmer, keine Blattläuse, Schnecken und Mehltau, dafür einmal in der Woche verdünnte Jauche und Taubenmist. Amen.

– Karel Čapek, Das Jahr des Gärtners –

 

 

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Hans G. Bauer _  Alles (mehr als) Kompost

 

Ich sitze im Garten, und

… höre eine Radiosendung, in der ein mainfränkischer Mundartdichter über seine Wahrnehmungen beim Sitzen im Garten erzählt, und dabei den Satz sagt: Ich höre das Gras wachsen. Zum ersten Mal höre ich ihn, diesen Satz, nicht negativ, nicht unterstellend, sondern ganz neu und bewundernd: Ich sitze da und höre das Gras wachsen.

[Ich weiß nicht, wie wichtig es ist, anzufügen, dass ich, weil dort geboren, auf irgendeine Weise noch immer unterfränkisch denke. Plötzlich klang es neu, sprachlich wie gedanklich].

 

Ich sitze im Garten, und

… mir fällt der Friedhofssatz ein: Er/sie ist nicht mehr unter uns.

Denke an Kompost.

Und denke, dass dann, wenn ich einmal Kompost bin,

ich gern sagen würde:

Jetzt bin ich endlich unter euch.

 

Ich sitze im Garten, und

… sehe die Frage der Tulpe, warum wir sie just dorthin gepflanzt haben.

Und höre den Stein, dem sie beigewachsen war, freudig-verwundert darüber, warum sie sich just bei ihm so reckt …

Stein, Tulpe und ich, während wir so beieinandersitzen, vermuten, und gute Vermutungen dauern ja, dass wahrscheinlich nur Pfeifenraucher das so wahrnehmen.

 

Manchmal verlasse ich den Garten und fühle mich sehr auf mich zurückgeworfen.

Sitze im Arbeitszimmer …

… wo man weniger regenwürmig-geringelt denkt, sondern gedankenwürmig-präzise, wissenschaftlich-akademisch etwa. Hier oben kommen einem, so als hätte man noch Gedankenkrümel unterm Fingernagel mitgebracht, Fragen an das Wesen von Wörtern, Begriffen. Denkt an Komposita, beispielsweise, an Komponenten, Komparative, Komposition … „Komp“ ist, rechnergestützt betrachtet, gar kein Grundwort. Aber jedenfalls eine Art von Anstiftung für Verschiedenstes.

Da will ich sofort wieder zurück in den Garten, aber

… bleibe, wie die Tulpe hinterm Stein, plötzlich hängen an dem Bild, das mir an meinem Schreibtisch schon seit vielen Jahren gegenüberhängt. Pfeifenverräuchert mittlerweile. Dominique, die Frau des Schweizer Schriftstellers Otto F. Walter, hat mir das Foto mit dem Text von ‚Ötti‘ einst geschenkt.

Etliche Male durften wir diesen provencalischen Dschungelgarten und das Steinzeit-Borrie „Le Prince“ mit ihm und Dominique teilen. Den Platz, an dem er oft saß, um auch diese Zeilen zu schreiben:

S’gäb scho / no z’tue /scho füfi / und no immr / kei Anarchie / i dr Gägend / wird’s schattig / s‘ Fäscht /fast verbi / im Land / immer no / Rue / Do go-n-i / dänk / gschider / öppe de / wider / em Waud / zue.

 

Besser schnell zurück in den Garten jetzt … ‚s‘ gäb‘ ja schließlich was zum Wiederlesen von „Ötti“, endlich mal wieder: „Wie wird Beton zu Gras“. Das er 1988 geschrieben hat, mit dem Untertitel: „Fast eine Liebesgeschichte“. Wider die knechtenden Mächte, für die Kraft der Liebe. Zugewidmet seiner späteren Frau Dominique.

Mittlerweile sind beide ‚unter uns‘…

 

Wie gut, jetzt wieder beim Stein zu sitzen, der noch immer freudig wärmt, und bei der Tulpe, die sich noch immer reckt.

 

 

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Renate Kletzka _  Ein Sommer im Garten

 

Der Sommer 2020 war anders, geprägt von der Corona-Pandemie war der Lebensradius klein geworden. Alle künstlerischen Projekte für diese Zeit waren abgesagt. Die Zeit hatte plötzlich einen langsameren Takt und mein Garten wurde zum Aktions- und Schutzraum.

Es entstanden Bilder, die näher an der Natur und der Realität sind als meine Arbeiten zuvor. Eine ungewohnte Farbigkeit hat sich eingeschlichen…Violett, Pink und Rosa…Grüntöne in allen Schattierungen …… Farben, die meinen Garten ausmachen, die jedoch davor selten in meine n Werken zu finden waren. Meine Ängste zu farbig, zu lieblich … ja kitschig zu werden, verloren sich im Farbenrausch. Ein Wagnis und ein Spiel, mein Herz war dabei. Das Ergebnis hat mich selber überrascht, aber auch erfreut, so dass ich es in einer Broschüre festhalten und teilen wollte.

 

 

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Arnulf Greimel _  Fichtenfall – Organisationsentwicklung mit Gartenkultur

 

Wir hatten uns schon so aneinander gewöhnt, unser Garten und wir. Der wilde Vorgarten Richtung Norden, mit dem Vielerlei, das da durcheinander und nebeneinander lebt, eine Mischung aus Allgäu, Schwäbische Alb, Piemont und Provence. Dazwischen haben Schwemmholzteile, Felsbrocken und Steine ihren Platz gefunden, die wir immer aus verschiedenen Gegenden mitbringen. An der Hauswand halten sich holzige Rosenbüsche fest und streben vehement nach oben. Eine wuchernde Waldrebe beschenkt uns im Mai oder Juni mit Blüten und gibt der Garagenwand ihren Sinn. Und natürlich steht da die Platane vor der Türe, die im Winter so tut, als wäre sie nicht da, im Sommer aber bestimmt sie machtvoll das Geschehen.

Auf der anderen Seite, Richtung Süden, kämpft das Gras gegen Moos und Unkräuter an, es gibt Reservate auf Zeit für Wiesenblumen, bevor der Mäher immer wieder mal die Illusion eines Rasens erweckt, die wir gerne wieder vergehen lassen. Irgendwo unter dem Efeu muss noch ein Zaun sein, das Stück Mauer versucht er ebenfalls zu überwältigen. Man muss dem maßlosen Kerl immer wieder mal die Grenzen aufzeigen. Einige Büsche und ein überdachter Platz geben dem Ganzen markante Schwerpunkte und Lebensräume für Mensch und Tier,Bade- und Futterplätze für die Vögel eingeschlossen. Dach und Schatten finden wir unter dem gespreizten roten Ahorn. Eine Glyzinie hangelt sich an der Dachrinne entlang, und da und dort hat sie schon begonnen, ihren Tatendrang und ihre Sprengkraft unter Beweis zu stellen. Die Buchsbaum-Hecke aber, hinter der in wilder Ordnung viel Grün und einige Blütenstauden wachsen, sie kann als einzige einen Kulturstatus für sich beanspruchen: sie ist aus selbst gezogenen und gefundenen Setzlingen über die Jahre herangewachsen und zurechtgestutzt worden, und wir tun alles, um sie nicht dem Zünsler zu überlassen.

Der ganze Garten, das Haus, wir selbst: alles wird überragt von einer riesigen Fichte. Sie kann einen mächtigen Schatten werfen und kleine Zapfen verstreuen, und sie ist hier schon viel länger zuhause als wir. Sie gräbt ihre Wurzelwülste breit in die Grasfläche hinein und sendet uns laut und leise ihr vertrautes Waldesrauschen. Und ja, sie lenkt unsern Blick nach oben zu den Wolken und in den Himmel.

An Abend des 9. Februar ist unser Blick sehr besorgt nach oben gerichtet: Die Ausläufer von Sturmtief Sabine haben uns erreicht. Unsere Fichte beugt sich immer wieder tief gen Osten, aber sie federt die mächtigen Stöße des Orkans stetig ab. Als wir am Morgen danach in den Garten hinaus schauen, ist der Sturm noch stärker geworden, und die riesige Fichte hat ihm widerstanden. Draußen ist es gespenstisch düster, es regnet und die Wolken jagen heftig über den Himmel. Ich sitze am Fenster, um mir das dramatische Geschehen draußen anzusehen. Als die riesige Fichte fällt, höre ich hinter der Fensterscheibe nur ein Rauschen und einen dumpfen Aufprall – und dann atemlose Stille. Irgendwann sage ich: „das war unser Baum“. Und dann stürzen wir nach draußen.

Im Garten hat die Fichte im Fallen eine Lücke zwischen den Häusern gefunden. Draußen auf der Straße liegt sie quer, hat die Gartenzäune durchschlagen und das Haus der Nachbarn gegenüber knapp verfehlt. Ein Glück, niemand ist zu Schaden gekommen! Die Feuerwehr kommt mit großem Gerät und räumt die Straße frei. Unser Baum ist enthauptet, seine Spitze liegt zerteilt längs der Straße, sein Rumpf hat sich zwischen Sitzplatz und Büschen ausgebreitet und zur Ruhe gelegt. Den Garten, wie wir ihn kennen, gibt es nicht mehr.

Das Abenteuer, die Anatomie der Katastrophe zu besichtigen, hält uns längere Zeit in Atem. Zwei Tage dauert es, bis der Riese in seine Einzelteile zerlegt und einigermaßen zur Seite geschafft ist. Ganz schön viel Holz. Dass ein einschneidender, viel gravierenderer Einbruch sich gleichzeitig schon längst auf den Weg zu uns gemacht hat, ist uns in diesen Tagen nicht bewusst: Hundert Kilometer östlich in Gauting bei München hat sich zehn Tage zuvor die Corona-Pandemie niedergelassen und in Deutschland Fuß gefasst. Als sie auch in unserer Stadt ankommt, können wie sie weder sehen, noch hören, noch riechen. Sie ist gekommen, um für lange Zeit zu bleiben. Heute, 16 Monate später, sind wir der Corona-Hotspot in Bayern.

Was sich mit dem Fall der mächtigen Fichte für uns verändert hat, wird uns erst allmählich bewusst. Es fehlt uns etwas, das wir nicht ersetzen können. Das Rauschen ist verstummt. Die Sonne bricht ganz ungewohnt zu uns herein und plötzlich sind wir dem offenen Blick der Nachbarn ausgesetzt. Die Bruchstelle hat den Verfall offengelegt, den der Efeu gnädig verdeckt hatte. Durch den Garten verläuft eine Schneise, an deren Ursprung der abgesägte Baumstumpf sich plötzlich wieder aufgerichtet hat. Klar ist: es muss etwas geschehen. Es kann und wird nicht so bleiben, wie es ist. Und damit beginnt ein Prozess des Abschied Nehmens, der schmerzlich ist. Er lässt sich lange Zeit, um uns dann, aus unserer Trauer heraus, in eine neue Perspektive, einen neuen Entwurf hinein zu führen. Unsere Vorstellung von der Zukunft unseres Gartens entwickelt sich erst Schritt für Schritt, solange das Alte noch abgeräumt und in Teilen zerstört wird. Ein Ungetüm durchbricht den Zaun, walzt die Pflanzen nieder, frisst sich durch den Baumstumpf und die Wurzeln unter der Wiese.

Was räumen wir gleich mit ab? Was soll bleiben? Was wird verpflanzt und gerettet? Eine Brache ist entstanden, ein leerer Lebensraum weckt unsere Ideen und Vorstellungen. Was könnte Garten 2.0 nach dem Tod der riesigen Fichte sein? Wie könnte er gestaltet werden, in guter Verbindung zu den Garten-Gewächsen, die schon begonnen haben, sich in den frei gewordenen Raum hinein zu strecken? Und wo können sich Lieblingsplätze eröffnen und Räume der Begegnung etablieren?

Wo eben noch das Loch der Zerstörung klaffte, finden ein Baum, einige Büsche und viele Stauden ihr Zuhause, werden mit neuer Anmutung und neuen Perspektiven ins Gebliebene integriert. Und gleich wollen sie stabilisiert und versorgt werden. Eine frische, bunte Vielfalt ist entstanden, und wenn wir Glück haben ein harmonisches Ganzes, das lebt und sich weiter entwickeln wird.

Es stimmt schon: Gartenkultur kann wie Organisationsentwicklung sein. Ein Change-Prozess, der Energie, Struktur und sorgsame Begleitung braucht, aber auch viel Geduld, und der von Kreativität lebt. Zum Beispiel von der wunderbaren Idee (nicht meiner), anstelle der Bresche, die der Baum in den Buchs gerissen hat, einen aus Steinen gefügten Platz zu gestalten, der den Zugang zum Staudengarten eröffnet, der die Wärme des Tages speichert für uns und am Abend die letzten Sonnenstrahlen einfängt.

Wie in der OE braucht es für die Umsetzung solcher Highlights eine Fachperson mit Kultur und schöpferischem Geschick. Wir haben sie gefunden. Schau her: Er sieht gut aus, unser neuer Garten, es ist gut so. Und es kann weiter gehen.

 

 

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Jupp Bergmann / Waltraud Latussek  / Hans Herzer _  Fischbacher Brunnen

 

 

 

Römischer Brunnen

 

Auf steigt der Strahl und fallend gießt

er voll der Marmorschalen Rund,

der sich verschleiernd, überfließt

in einer zweiten Schale Grund;

die zweite gibt, sie wird zu reich,

der dritten fallend ihre Flut,

und jede nimmt und gibt zugleich#

und strömt und ruht …

 

– C. F. Meyer –

 

 

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Hans Herzer / Simon Rahause _ … im Garten des Himmlischen Friedens

 

Geschichte

„ … wurde der Park am 7. Oktober 1989 als Frühlingsblumengarten eröffnet. Schon wenige Wochen darauf erhielt er im Gedenken an das Tian`anmen-Massaker vom 4. Juni 1989 seinen heutigen Namen Garten des himmlischen Frieden.

Struktur

Zentrales Element des 4.000 qm großen und von einer Mauer umfassten Parks ist der asymmetrische verzweigte Jaspisgrüne Teich. Hinter dem löwenbewachten Haupttor führt über ihn die Brücke des halben Bootes zum rechteckigen Wasserpavillon. Auf dessen anderer Seite zieht sich die Galerie des Duftenden Wassers am Teichufer entlang und endet schließlich am quadratischen Spiegelpavillon. Über die Zick-Zack verlaufende Jadegürtelbrücke gelangt der Besucher zum Nordufer. Nach Westen bietet sich von der Brücke ein Blick auf denen Felsen mit Wasserfall. Den Südteil des Gartens – jenseits der Wasserpavillons – beherrscht ein Hügel, auf sich der Pavillon im schimmernden Grün erhebt.

Daneben verteilt sich im Park eine Vielzahl von Pflanzen, Sträuchern, Felsen, Steinen, Wasserfällen oder Schriftzeichen. Ihre Anordnung  wurde nicht dem Zufall überlassen, sie spiegelt vielmehr verschiedene Bezüge – insbesondere zur chinesischen Symbolsprache – wider.“

(Auszug aus https://de.wikipedia.org/wiki/Garten_des_Himmlischen_Friedens)